Montag, 7. Mai 2012
woanders isst man anders
jeannineweltweit, 23:27h
Ich bin eine leidenschaftliche Köchin und Esserin. Hatte ich das schon erwähnt? Nein, natürlich nicht, es ist ja das erste Mal, dass ich „blogge“.
Ich bin viel herum gekommen, habe viele Länder schon besucht und ebenso viele stehen noch auf meinem Wunschzettel. Immer wieder ganz wichtig, zumindest für mich, war und ist die Küche des jeweiligen Landes. Neben schönen Landschaften, historischen Sehenswürdigkeiten und interessanten Menschen, runden Speise und Trank den Besuch so richtig ab, wenn vorhanden. Denn nicht immer kommt man in der Hinsicht auf seine Kosten. Obwohl „kosten“, nun ja, meist geht es trotzdem ganz schön ins Geld, unabhängig davon ob man gut gegessen hat oder nicht.
In europäischen Ländern wird man ja meist nicht enttäuscht, würde man annehmen. Das entspricht leider nicht ganz meinen Erfahrungen. Als Luxemburgerin war und bin ich ja vielleicht auch ziemlich verwöhnt, denn als kleinstes Land zwischen Frankreich, Deutschland und Belgien vereint die luxemburgische Restaurant-Küche, die Finesse der Franzosen, die Üppigkeit der Deutschen und die Qualität der Belgier. Ein Spruch von mir, „die luxemburgische und belgische Küche hält, was die französische verspricht.“ Das wird die Franzosen jetzt zwar nicht erfreuen, aber nun, ich schreibe ja auch in Deutsch und so ist die Gefahr dass viele Franzosen meinen Blog lesen werden eher gering. Wobei ich nicht über die französische Küche herziehen will, die im Allgemeinen hervorragend ist. Enttäuschend sind lediglich manchmal die Quantitäten, was mich auch nicht direkt betrifft, da ich eher kleine Quantitäten verspeise, aber meine männlichen Begleiter müssen meist auf viel, zugegeben knuspriges Brot mit Butter oder mehrere Nachspeisen zugreifen (Haben Franzosen so kleine Mägen?)
Schlimm wurden meine Erfahrungen erst, als ich zum ersten Mal nach England reiste. Ich hatte damals natürlich nicht genug Geld, um mich in die hoch gepriesenen Gourmettempel Londons zu begeben, aber wer hat das schon? Aber eine gute einheimische Küche zeichnet sich ja dadurch aus, dass man auch in ganz normalen Restaurants etwas Leckeres auf den Teller bekommt. Ob eine Sheppards’ Pie, mit gehacktem grauen Fleisch, fadem Kartoffelpüree, mit unverdünnter Tomatensuppe übergossen und im Ofen tot gebacken, lecker sein soll, das überlasse ich dem Leser sich das vorzustellen…
Irland war da leider nicht viel besser. Die Restaurants, die nicht zu irgendeiner Fast-Foodkette gehören, sind fast unbezahlbar. Und in denen, wo man viel Geld bezahlt, nur weil es eine Tischdecke und einen Kellner gibt, isst man nicht unbedingt besser. In Dublin sagte man mir, wo man den angeblich besten „fish and chips“ isst. Ein einfaches, aber sehr leckeres Gericht, vorausgesetzt der Fisch ist frisch, die Fritten echt und die Tatarsauce nicht aus der Tube. Ich fand nichts von alledem in diesem bestimmten Lokal. Ich bin jedoch wenigstens froh, dass ich keine größeren Magenprobleme mit nach Hause nahm. Das mag aber auch an meinem „Pferdemagen“ liegen, dem selten etwas zu viel wird.
Über die schwedische Küche hört man nicht viel. Das ist auch gut so, es gibt auch nicht viel zu sagen, außer man kann Glück haben, muss aber nicht. Sehr teuer wird es, wenn man eine Flasche Wein bestellt. Dafür bekommt man mit ein bisschen Glück aber auch ein Spektakel geboten. In diesem Fall war es eher eine ungewollte Show, als der Kellner einen Kollegen zur Hilfe rief, um die Flasche zu öffnen. Einer von beiden setzte den Korkenzieher an, der zweite drehte die Flasche. Die Mühe, mir das Lachen oder das lol, wie man heutzutage sagt, zu verbeißen brauche ich wohl nicht näher zu beschreiben.
In Ungarn gibt es oder gab es, als ich das Land bereiste, die „Czardas“. Es kostete mich ein paar Tage, bis ich herausfand, dass es 2 Kategorien „Czardas“ gab. Die normalen und die besseren. In beiden bekommt man an sich das gleiche Essen vorgesetzt, mit dem Unterschied, dass es in den besseren mehr Geld kostet. Das mag an den Zigeunermusikern liegen, die dir dort mehr oder weniger gut live ins Ohr fiedeln. Wer Sauerkraut für etwas typisch Deutsches gehalten hat, wird hier eines Besseren belehrt. Lecker sind die Szegediner Würste, die wohl aus diesem Grund auch ihren Weg in den Rest der Welt geschafft haben. Was die unvermeidlichen Fiedler betrifft, so gibt es einen Brauch. Wenn man dem Chef der Truppe einen Geldschein auf die Stirn klebt, spielt er dein Wunschlied. Mein Bekannter, der sich bestens auskannte in Ungarn, demonstrierte mir dies. Um besonders großzügig dazustehen hatte er wohl zu hoch gegriffen, denn nachdem der Chef den Schein durch eine komplizierte Augenverdrehung nach oben, erspäht hatte, packte das ganze Orchester seine Instrumente zusammen und machte Feierabend.
Rumäniens weitverbreitetes Gericht heißt „nu havem“. Das dachte ich jedenfalls, bis ich herausfand, dass es schlicht und ergreifend bedeutet „haben wir nicht“. Ich muss dazusagen, dass das noch zu Ceausescus Zeiten war. Dass wir dort nicht verhungert sind, lag vor allen daran, dass wir uns mit dem „Club Med“ Chef angefreundet hatten und uns dort öfters quer durchs Buffet gegessen haben. Die Franzosen wieder! Wie und woher hat er bloß all diese Lebensmittel herbei geschafft? Das einzige, was es in großen Mengen gab war Kaviar. Der Spruch meines Begleiters lautete:“ In der Not, frisst man Kaviar auch ohne Brot.“ Er mochte den Spruch aber nicht mehr hören nachdem ich ihn mit einer Proteinvergiftung ins Krankenhaus bringen musste.
Als Nicht-Nachtischesser muss ich allerdings eine Ausnahme einräumen. Und das ist Österreich. In Österreich könnte ich fast auf Vor- und Hauptspeise verzichten (aber nur fast, denn die sind auch nicht von schlechten Eltern), um mich systematisch durch Marillenknödel, Germknödel, Kaiserschmarren, Sachertorte, Linzer Torte, Palatschinken, Apfelstrudel, Mohr im Hemd (politisch bestimmt nicht mehr korrekt), Buchteln in Vanillesauce usw. durchzuessen. Und nicht zu vergessen alles, wo Mohn drauf ist. Liegt vielleicht an der berauschenden Wirkung, die dem Mohn nachgesagt wird. Dass man hinterher am besten einige der weltberühmten Kaffee-Zubereitungsarten bestellt liegt auf der Hand. Irgendwie muss man das ja verdauen.
genug für heute, aber die Geschichte geht weiter...
Ich bin viel herum gekommen, habe viele Länder schon besucht und ebenso viele stehen noch auf meinem Wunschzettel. Immer wieder ganz wichtig, zumindest für mich, war und ist die Küche des jeweiligen Landes. Neben schönen Landschaften, historischen Sehenswürdigkeiten und interessanten Menschen, runden Speise und Trank den Besuch so richtig ab, wenn vorhanden. Denn nicht immer kommt man in der Hinsicht auf seine Kosten. Obwohl „kosten“, nun ja, meist geht es trotzdem ganz schön ins Geld, unabhängig davon ob man gut gegessen hat oder nicht.
In europäischen Ländern wird man ja meist nicht enttäuscht, würde man annehmen. Das entspricht leider nicht ganz meinen Erfahrungen. Als Luxemburgerin war und bin ich ja vielleicht auch ziemlich verwöhnt, denn als kleinstes Land zwischen Frankreich, Deutschland und Belgien vereint die luxemburgische Restaurant-Küche, die Finesse der Franzosen, die Üppigkeit der Deutschen und die Qualität der Belgier. Ein Spruch von mir, „die luxemburgische und belgische Küche hält, was die französische verspricht.“ Das wird die Franzosen jetzt zwar nicht erfreuen, aber nun, ich schreibe ja auch in Deutsch und so ist die Gefahr dass viele Franzosen meinen Blog lesen werden eher gering. Wobei ich nicht über die französische Küche herziehen will, die im Allgemeinen hervorragend ist. Enttäuschend sind lediglich manchmal die Quantitäten, was mich auch nicht direkt betrifft, da ich eher kleine Quantitäten verspeise, aber meine männlichen Begleiter müssen meist auf viel, zugegeben knuspriges Brot mit Butter oder mehrere Nachspeisen zugreifen (Haben Franzosen so kleine Mägen?)
Schlimm wurden meine Erfahrungen erst, als ich zum ersten Mal nach England reiste. Ich hatte damals natürlich nicht genug Geld, um mich in die hoch gepriesenen Gourmettempel Londons zu begeben, aber wer hat das schon? Aber eine gute einheimische Küche zeichnet sich ja dadurch aus, dass man auch in ganz normalen Restaurants etwas Leckeres auf den Teller bekommt. Ob eine Sheppards’ Pie, mit gehacktem grauen Fleisch, fadem Kartoffelpüree, mit unverdünnter Tomatensuppe übergossen und im Ofen tot gebacken, lecker sein soll, das überlasse ich dem Leser sich das vorzustellen…
Irland war da leider nicht viel besser. Die Restaurants, die nicht zu irgendeiner Fast-Foodkette gehören, sind fast unbezahlbar. Und in denen, wo man viel Geld bezahlt, nur weil es eine Tischdecke und einen Kellner gibt, isst man nicht unbedingt besser. In Dublin sagte man mir, wo man den angeblich besten „fish and chips“ isst. Ein einfaches, aber sehr leckeres Gericht, vorausgesetzt der Fisch ist frisch, die Fritten echt und die Tatarsauce nicht aus der Tube. Ich fand nichts von alledem in diesem bestimmten Lokal. Ich bin jedoch wenigstens froh, dass ich keine größeren Magenprobleme mit nach Hause nahm. Das mag aber auch an meinem „Pferdemagen“ liegen, dem selten etwas zu viel wird.
Über die schwedische Küche hört man nicht viel. Das ist auch gut so, es gibt auch nicht viel zu sagen, außer man kann Glück haben, muss aber nicht. Sehr teuer wird es, wenn man eine Flasche Wein bestellt. Dafür bekommt man mit ein bisschen Glück aber auch ein Spektakel geboten. In diesem Fall war es eher eine ungewollte Show, als der Kellner einen Kollegen zur Hilfe rief, um die Flasche zu öffnen. Einer von beiden setzte den Korkenzieher an, der zweite drehte die Flasche. Die Mühe, mir das Lachen oder das lol, wie man heutzutage sagt, zu verbeißen brauche ich wohl nicht näher zu beschreiben.
In Ungarn gibt es oder gab es, als ich das Land bereiste, die „Czardas“. Es kostete mich ein paar Tage, bis ich herausfand, dass es 2 Kategorien „Czardas“ gab. Die normalen und die besseren. In beiden bekommt man an sich das gleiche Essen vorgesetzt, mit dem Unterschied, dass es in den besseren mehr Geld kostet. Das mag an den Zigeunermusikern liegen, die dir dort mehr oder weniger gut live ins Ohr fiedeln. Wer Sauerkraut für etwas typisch Deutsches gehalten hat, wird hier eines Besseren belehrt. Lecker sind die Szegediner Würste, die wohl aus diesem Grund auch ihren Weg in den Rest der Welt geschafft haben. Was die unvermeidlichen Fiedler betrifft, so gibt es einen Brauch. Wenn man dem Chef der Truppe einen Geldschein auf die Stirn klebt, spielt er dein Wunschlied. Mein Bekannter, der sich bestens auskannte in Ungarn, demonstrierte mir dies. Um besonders großzügig dazustehen hatte er wohl zu hoch gegriffen, denn nachdem der Chef den Schein durch eine komplizierte Augenverdrehung nach oben, erspäht hatte, packte das ganze Orchester seine Instrumente zusammen und machte Feierabend.
Rumäniens weitverbreitetes Gericht heißt „nu havem“. Das dachte ich jedenfalls, bis ich herausfand, dass es schlicht und ergreifend bedeutet „haben wir nicht“. Ich muss dazusagen, dass das noch zu Ceausescus Zeiten war. Dass wir dort nicht verhungert sind, lag vor allen daran, dass wir uns mit dem „Club Med“ Chef angefreundet hatten und uns dort öfters quer durchs Buffet gegessen haben. Die Franzosen wieder! Wie und woher hat er bloß all diese Lebensmittel herbei geschafft? Das einzige, was es in großen Mengen gab war Kaviar. Der Spruch meines Begleiters lautete:“ In der Not, frisst man Kaviar auch ohne Brot.“ Er mochte den Spruch aber nicht mehr hören nachdem ich ihn mit einer Proteinvergiftung ins Krankenhaus bringen musste.
Als Nicht-Nachtischesser muss ich allerdings eine Ausnahme einräumen. Und das ist Österreich. In Österreich könnte ich fast auf Vor- und Hauptspeise verzichten (aber nur fast, denn die sind auch nicht von schlechten Eltern), um mich systematisch durch Marillenknödel, Germknödel, Kaiserschmarren, Sachertorte, Linzer Torte, Palatschinken, Apfelstrudel, Mohr im Hemd (politisch bestimmt nicht mehr korrekt), Buchteln in Vanillesauce usw. durchzuessen. Und nicht zu vergessen alles, wo Mohn drauf ist. Liegt vielleicht an der berauschenden Wirkung, die dem Mohn nachgesagt wird. Dass man hinterher am besten einige der weltberühmten Kaffee-Zubereitungsarten bestellt liegt auf der Hand. Irgendwie muss man das ja verdauen.
genug für heute, aber die Geschichte geht weiter...
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